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Presseinformation WWF 04.08.2006
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WWF fordert Rückzug von Andritz aus Staudammprojekt in Türkei
Weiträumige Zerstörungen und bewaffnete Konflikte befürchtet

Wien, 4. August 2006 - Heute präsentiert die Firma Andritz AG auf einer Pressekonferenz in Wien ihre neuen Bilanzzahlen. Weitgehend unbekannt ist, dass Andritz - die neue Besitzerin der VA Tech Hydro – den Auftrag angenommen hat, den Ilisu-Staudamm am Tigris in der Türkei zu bauen, was katastrophale Folgen für die dort lebenden Menschen und die Natur haben würde. Morgen Samstag soll dort unter Beisein des österreichischen Botschafters der Spatenstich für das Monsterprojekt gesetzt werden. Es wird erwartet, dass heute 10.000 Menschen in die vom Ilisu Staudamm bedrohte historische Kulturstadt „Hasankeyf“ pilgern werden um gegen das Vorhaben zu demonstrieren. Die über 10.000 Jahre alte Kulturstadt soll durch den Ilisu-Staudamm völlig überflutet werden. Durch den Staudamm müssen zehntausende Menschen umgesiedelt werden. Die Auswirkungen des Projekts auf die prekäre Wassersituation in dem Krisengebiet Türkei-Syrien-Irak sind unabsehbar. „Die österreichische Firma Andritz AG ist eine der letzten, die nach dem Rückzug der Weltbank und mehrerer Finanzkonsortien an dem Zerstörungsprojekt festhalten will – und das noch mit offizieller Unterstützung durch die Kontrollbank und die österreichische Bundesregierung“, klagt der WWF-Wasserexperte Ulrich Eichelmann die geplante Völkerrechtsverletzung an.

Morgen Samstag soll vor Ort in der Türkei ohne Sicherung der Finanzierung und ohne gültige Lieferverträge die Grundsteinlegung für den Staudamm stattfinden. Die benötigten Exporthaftungen der österreichischen Regierung stehen derzeit wegen den zerstörerischen Folgen des Projekts noch auf der Kippe. Das österreichische Finanzministerium entscheidet darüber frühestens Anfang September. „Wir fordern, dass sich Österreich und die Firma Andritz AG sofort aus diesem Projekt zurückzieht“, sagt Nono Breuss von der Organisation ECA (Expoert Credit Agencies) watch. Der WWF warnt, dass durch den Staudamm die nur in dieser Region vorkommende Euphrat-Weichschildkröte vom Aussterben bedroht ist. Auch das Überleben der Rotlappenkiebitze, die auf den Kiesinseln des Tigris brüten, ist gefährdet.

Das Projekt war 2001 nach internationalen Protesten vorerst gescheitert. Die italienischen, schweizerischen, britischen und schwedischen Partner ließen wegen der zu erwartenden sozialen und ökologischen Probleme das Projekt fallen. Da keine Versicherung bereit ist die Risiken des Projektes zu übernehmen, stellte die Andritz AG beim österreichischen Finanzministerium im Dezember 2005 den Antrag auf eine öffentliche Exporthaftung. Anfang September wird die Entscheidung der österreichischen Kontrollbank erwartet. Die Mindeststandards der Weltbank und der OECD sind nach Meinung von Experten der Kontrollbank bereits jetzt nicht eingehalten und internationale Standards werden verletzt.

Die Einhaltung der Weltbankstandards wurde von der VA Tech Hydro öffentlich zu einer Voraussetzung für eine Beteiligung erklärt. Sollte sich herausstellen, dass die türkische Projektplanung nicht internationalen Standards entspricht, würde das Unternehmen das Projekt nicht weiter verfolgen – so die Presseaussendung der VA Tech Hydro im Jahr 2001. NGOs in ganz Europa und Tausende Demonstranten vor Ort fordern daher nun die Andritz AG morgen auf dieses Zusage einzulösen.

Mehr als 54.000 Menschen würden durch den Bau des Staudamms ihre Lebensgrundlage verlieren. Die mehr als 10.000 Jahre alte Stadt „Hasankeyf“ wäre durch den Damm, dessen Lebensdauer auf nur 80 Jahre berechnet wird, für immer zerstört. Konflikte zwischen dem türkischen Militär und der kurdischen Organisation PKK wären vorprogrammiert. Die Landwirtschaft in Syrien und im Nordirak hätte mit massiven Problemen zu kämpfen.

Weitere Informationen
MMag. Franko Petri, WWF Pressesprecher, Tel. 01-48817-231 oder 0676-83488231.
Weitere Informationen: http://www.eca-watch.at/ilisu/index.html

 

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